»Bassissimo« – so nannte sich ein Konzert im Februar 2009. Im Apollo-Saal der Staatsoper spielten acht Kontrabassisten der Staatskapelle Berlin Musik von Palestrina bis Joplin und von Dowland bis Piazzolla und Villa-Lobos. Gut zwei Jahre nach diesem in der Tat nicht alltäglichen Konzert erinnern sich die damals beteiligten Musiker noch gerne daran: Ein schönes Projekt sei es gewesen, da man die Bearbeitungen der mehr oder weniger bekannten Stücke von sehr unterschiedlicher Stilistik in – zumindest für Kontrabässe – eher ungewohnten mehrstimmigen Ensemblesätzen habe ausführen müssen, was ein genaues Aufeinander-Hören eine besonders sensible Verständigung untereinander nötig machte.
Normalerweise stehen die Kontrabassisten nur selten im Mittelpunkt. Geiger, Cellisten und natürlich die solistisch tätigen Bläser ziehen für gewöhnlich größere Aufmerksamkeit auf sich als die Spieler mit den großen Instrumenten. Gleichwohl sind sie immer mit dabei, sind unverzichtbar für jede Opernvorstellung und jedes Sinfoniekonzert. Die Kontrabässe geben dem Orchester das klangliche Fundament, sorgen für die tiefen Töne und die dunklen Farben, ohne die es wahrlich nicht geht.
Der Kontrabass ist vielfach noch ein »Spätstarter- Instrument«. In der Regel beginnt man ihn erst im Alter ab ca. zwölf Jahren zu spielen, da eine gewisse Körpergröße – und vor allem Handspanne – benötigt wird. Viele Kontrabassisten haben als Kind zunächst Violine oder Violoncello gespielt, zuweilen aber auch Klavier oder ein Blasinstrument. Spätestens als Teenager sollte dann der Wechsel zum Kontrabass erfolgen, zumindest wenn an eine Laufbahn als Berufsmusiker gedacht ist. Da es mittlerweile aber auch entsprechend gebaute Kinder-Kontrabässe gibt, kann man durchaus bereits in jungen Jahren mit dem Spiel beginnen.
Frühzeitig sollte man auch ein Gespür für die besonderen klanglichen Eigenschaften des Instruments entwickeln. Zumal für die Staatskapelle – falls der Weg eines studierten Kontrabassisten einmal dahin führen sollte – ist das von zentraler Bedeutung, wird doch im Orchester größter Wert auf eine spezielle Klangkultur gelegt. Ein dunkler, voller und dabei stets flexibler Klang – diesem Ideal streben die Musiker nach. Und dass er innerhalb der Gruppe zudem homogen sein sollte, versteht sich fast von selbst. Begünstigt wird die erwünschte Einheitlichkeit des Klangcharakters nicht zuletzt dadurch, dass alle derzeit in der Staatskapelle aktiven Kontrabassisten aus ein- und derselben stilistischen Schule stammen und oft bei denselben Lehrern Unterricht erhielten. Von Generation zu Generation wurden die Erfahrungen weitergegeben – ob nun in puncto Spieltechnik oder eben in Bezug auf die klanglichen Qualitäten, die im Orchester maßgeblich sind und ganz wesentlich zu dessen Unverwechselbarkeit beitragen. Ein grundlegend homogener Klang wird auch durch die verwendeten Instrumente, das »Zubehör« sowie die einheitliche Spielweise erzielt. Außerdem benutzen sie die gleichen Saiten, wobei es sich um ein Fabrikat einer renommierten, seit mehr als 200 Jahren bestehenden Firma handelt. Die Musiker haben an der Entwicklung dieser Saiten mit dem wohlklingenden Namen »Passione« mitgewirkt: Sie schätzen ihren weichen und transparenten, zugleich auch kräftigen und kernigen Klang, der es ihnen erlaubt, im Orchestergraben wie auf dem Konzertpodium immer einen Ton zu finden, der sich mit den Klängen der anderen Instrumente optimal mischt.
Zehn Planstellen umfasst die Kontrabassgruppe der Staatskapelle, nicht alle von ihnen sind derzeit besetzt. Nachwuchssorgen braucht man sich trotzdem nicht zu machen. Obwohl das künstlerische Niveau an den Hochschulen im Allgemeinen sehr hoch ist, fällt es doch manchmal schwer, geeignete Musiker zu finden, da der oder die Neue neben technischer Perfektion auch hinsichtlich von Spielweise, Klangvorstellung und Musikalität gut zu den anderen Spielern passen muss. Außerdem besitzt die Staatskapelle in Gestalt ihrer Orchesterakademie eine eigene »Nachwuchsschmiede«, in der junge Musikerinnen und Musiker wertvolle Einblicke in die konkrete Berufspraxis gewinnen können. Und vielleicht schafft ja auch bald einmal eine Kontrabassistin den Sprung in die Staatskapelle: In der Orchesterakademie war dies schon der Fall, im »großen« Orchester bislang noch nicht. Aber was bei den Violinen, Violen und Violoncelli bereits selbstverständlich ist, sollte auch bei den Kontrabässen möglich sein – auch wenn die physischen Anforderungen gestellt werden, in der Tat nicht unerheblich sind. Dass jedoch diese Instrumentengruppe auf Dauer ausschließlich eine Männerdomäne bleibt, ist kaum zu erwarten: Da die Zahl der Hochschulabsolventinnen beständig wächst, wird sich das auch irgendwann einmal in den Orchestern bemerkbar machen.
Rein spieltechnisch macht der Fortschritt auch vor den Kontrabassisten nicht halt: »Schneller, höher, weiter« – so könnte das Motto lauten, das in vielen Ausbildungsstätten zumindest implizit mitschwingt. Der Trend zu immer virtuoserem Spiel ist jedenfalls unverkennbar – und solange er nicht in sportivem Selbstzweck erschöpft, dient er ja auch durchaus der Qualitätssteigerung. Der Klangkultur dienlich ist fraglos die Kammermusik.
Jeder der Kontrabassisten engagiert sich außerhalb der regulären Dienste in Oper und Konzert auch kammermusikalisch. Stilistisch gesehen sind die Interessen und Aktivitäten weit gespannt: Während der eine sich für das Spiel in Barockformationen begeistert, präferiert ein anderer das klassisch-romantische Repertoire, ein dritter wiederum widmet sich Salonmusik und Jazz. Und ausgeschlossen ist es ja keineswegs, dass sich alle Spieler wieder einmal zu einem »Bassissimo«-Projekt zusammenfinden.
Detlef Giese
Normalerweise stehen die Kontrabassisten nur selten im Mittelpunkt. Geiger, Cellisten und natürlich die solistisch tätigen Bläser ziehen für gewöhnlich größere Aufmerksamkeit auf sich als die Spieler mit den großen Instrumenten. Gleichwohl sind sie immer mit dabei, sind unverzichtbar für jede Opernvorstellung und jedes Sinfoniekonzert. Die Kontrabässe geben dem Orchester das klangliche Fundament, sorgen für die tiefen Töne und die dunklen Farben, ohne die es wahrlich nicht geht.
Der Kontrabass ist vielfach noch ein »Spätstarter- Instrument«. In der Regel beginnt man ihn erst im Alter ab ca. zwölf Jahren zu spielen, da eine gewisse Körpergröße – und vor allem Handspanne – benötigt wird. Viele Kontrabassisten haben als Kind zunächst Violine oder Violoncello gespielt, zuweilen aber auch Klavier oder ein Blasinstrument. Spätestens als Teenager sollte dann der Wechsel zum Kontrabass erfolgen, zumindest wenn an eine Laufbahn als Berufsmusiker gedacht ist. Da es mittlerweile aber auch entsprechend gebaute Kinder-Kontrabässe gibt, kann man durchaus bereits in jungen Jahren mit dem Spiel beginnen.
Frühzeitig sollte man auch ein Gespür für die besonderen klanglichen Eigenschaften des Instruments entwickeln. Zumal für die Staatskapelle – falls der Weg eines studierten Kontrabassisten einmal dahin führen sollte – ist das von zentraler Bedeutung, wird doch im Orchester größter Wert auf eine spezielle Klangkultur gelegt. Ein dunkler, voller und dabei stets flexibler Klang – diesem Ideal streben die Musiker nach. Und dass er innerhalb der Gruppe zudem homogen sein sollte, versteht sich fast von selbst. Begünstigt wird die erwünschte Einheitlichkeit des Klangcharakters nicht zuletzt dadurch, dass alle derzeit in der Staatskapelle aktiven Kontrabassisten aus ein- und derselben stilistischen Schule stammen und oft bei denselben Lehrern Unterricht erhielten. Von Generation zu Generation wurden die Erfahrungen weitergegeben – ob nun in puncto Spieltechnik oder eben in Bezug auf die klanglichen Qualitäten, die im Orchester maßgeblich sind und ganz wesentlich zu dessen Unverwechselbarkeit beitragen. Ein grundlegend homogener Klang wird auch durch die verwendeten Instrumente, das »Zubehör« sowie die einheitliche Spielweise erzielt. Außerdem benutzen sie die gleichen Saiten, wobei es sich um ein Fabrikat einer renommierten, seit mehr als 200 Jahren bestehenden Firma handelt. Die Musiker haben an der Entwicklung dieser Saiten mit dem wohlklingenden Namen »Passione« mitgewirkt: Sie schätzen ihren weichen und transparenten, zugleich auch kräftigen und kernigen Klang, der es ihnen erlaubt, im Orchestergraben wie auf dem Konzertpodium immer einen Ton zu finden, der sich mit den Klängen der anderen Instrumente optimal mischt.
Zehn Planstellen umfasst die Kontrabassgruppe der Staatskapelle, nicht alle von ihnen sind derzeit besetzt. Nachwuchssorgen braucht man sich trotzdem nicht zu machen. Obwohl das künstlerische Niveau an den Hochschulen im Allgemeinen sehr hoch ist, fällt es doch manchmal schwer, geeignete Musiker zu finden, da der oder die Neue neben technischer Perfektion auch hinsichtlich von Spielweise, Klangvorstellung und Musikalität gut zu den anderen Spielern passen muss. Außerdem besitzt die Staatskapelle in Gestalt ihrer Orchesterakademie eine eigene »Nachwuchsschmiede«, in der junge Musikerinnen und Musiker wertvolle Einblicke in die konkrete Berufspraxis gewinnen können. Und vielleicht schafft ja auch bald einmal eine Kontrabassistin den Sprung in die Staatskapelle: In der Orchesterakademie war dies schon der Fall, im »großen« Orchester bislang noch nicht. Aber was bei den Violinen, Violen und Violoncelli bereits selbstverständlich ist, sollte auch bei den Kontrabässen möglich sein – auch wenn die physischen Anforderungen gestellt werden, in der Tat nicht unerheblich sind. Dass jedoch diese Instrumentengruppe auf Dauer ausschließlich eine Männerdomäne bleibt, ist kaum zu erwarten: Da die Zahl der Hochschulabsolventinnen beständig wächst, wird sich das auch irgendwann einmal in den Orchestern bemerkbar machen.
Rein spieltechnisch macht der Fortschritt auch vor den Kontrabassisten nicht halt: »Schneller, höher, weiter« – so könnte das Motto lauten, das in vielen Ausbildungsstätten zumindest implizit mitschwingt. Der Trend zu immer virtuoserem Spiel ist jedenfalls unverkennbar – und solange er nicht in sportivem Selbstzweck erschöpft, dient er ja auch durchaus der Qualitätssteigerung. Der Klangkultur dienlich ist fraglos die Kammermusik.
Jeder der Kontrabassisten engagiert sich außerhalb der regulären Dienste in Oper und Konzert auch kammermusikalisch. Stilistisch gesehen sind die Interessen und Aktivitäten weit gespannt: Während der eine sich für das Spiel in Barockformationen begeistert, präferiert ein anderer das klassisch-romantische Repertoire, ein dritter wiederum widmet sich Salonmusik und Jazz. Und ausgeschlossen ist es ja keineswegs, dass sich alle Spieler wieder einmal zu einem »Bassissimo«-Projekt zusammenfinden.
Detlef Giese



